Projekt "Hoffnung für Misanjo"

Zusammenfassung der Situation HfM im Oktober 2010

Am 24. November 2007 hat die Gründungsveranstaltung von "Hoffnung für Misanjo", HfM, im malawischen Busch, im Distrikt Mulanje, nahe der Südostgrenze zu Mosambik stattgefunden. HfM kümmert sich dort um die Waisen von 10 Dörfern und darüber hinaus auch um die Familien, die diese Waisen aufgenommen haben bzw. aufnehmen mussten. Da es in diesem Land etwa zwei Millionen Waisen gibt, gibt es kaum noch Familien ohne Waisen. HfM hat zur Zeit 60 Waisenkinder (im 1. Halbjahr 2010 hatten wir 160 Waisenkinder) im Alter von drei bis sechs Jahren und 40 Jugendliche aufgenommen. Die Kindergartenkinder bekommen eine Vorschulausbildung und die Jugendlichen eine Ausbildung in biologischer Landwirtschaft. Jeweils die Hälfte der Jugendlichen wird zusätzlich noch als Schreiner oder Schneider ausgebildet. Die Ausbildung in biologischer Landwirtschaft stellt sicher, dass sich die Menschen jetzt und später ernähren können und dass sie unabhängig werden von teuren Inputs wie Kunstdünger, Pestiziden und Saatgut. Die Berufsausbildung als Schreiner und Schneider ermöglicht ihnen Einkommen zu erwerben. Wir haben HfM ins Leben gerufen, denn es gibt Menschen, die weder eine Decke haben, um sich nachts zuzudecken, noch ein zweites Kleidungsstück besitzen und auch nicht die Sicherheit haben, ob sie heute oder morgen etwas zu essen bekommen. Unsere Kampagne endet mit Erreichung der Selbstständigkeit nach der Berufsausbildung.

1. Freunde der Malawi-Waisen, der Förderverein in Deutschland

Der deutsche Projektträger von Hoffnung für Misanjo, HfM, ist "Freunde der Malawi-Waisen", FMW. Die Gründung des Fördervereins fand am 10. Februar 2008 in Breitengüßbach statt. FMW hat aber eine mehrjährige Vorgeschichte. Im Juli 2005 war Georg Modlmair als Tourist in Malawi. Dabei entwickelten sich einige tiefgehende Freundschaften, die buchstäblich sein Leben umgekrempelt haben. Zwei Jahre lang half Georg Modlmair malawischen Waisenfamilien und dem Waisenhaus "Madalitso Orphan Care". Er übernahm auch die Patenschaft für Waisenkinderfamilien. Das anfänglich persönliche Engagement wurde später eingebettet in den Rahmen des Sachausschusses EINE WELT der katholischen Pfarrgemeinde Breitengüßbach. Nach dem Tod des Heimleiters, Herrn Makolja, wurde aus dem "Madalitso Orphan Care" das "Madalitso Home Based Care". Hier fehlten jedoch die Leute, um mit ihnen in die Zukunft schreiten zu können. Da gab es einfach zu viele einsame Entscheidungen und zu wenig Mitbestimmung und Eigeninitiative der Einheimischen. Es gab letztlich nur die Chance etwas Neues ins Leben zu rufen. Bei seiner Reise im Jahre 2007 lernte Georg Modlmair neue Leute kennen und so reifte bei ihm immer mehr der Gedanke etwas Neues, Zukunftsfähiges ins Leben zu rufen. Im Spätherbst 2007 begannen er und seine malawischen Freunde dann mit der Errichtung der geistigen Fundamente für HfM. Im September wurde dann mit Amos Chikaonda ein Konzept für ein neues Heim für 50 Kindergartenkinder, die einen Vorschul-Unterricht durch den Kindergarten bekommen und für 40 Jugendliche, die eine Ausbildung als Schreiner oder Schneider und zusätzlich eine Ausbildung zu biologisch arbeitenden Landwirten bekommen, erarbeitet. Nun hat sich die Gemeinschaft eine bemerkenswerte Satzung gegeben und hat den deutschen Namen "Hoffnung für Misanjo" (Hope for Misanjo) angenommen.

Unser Ehrgeiz ist, dass 100 % der Spenden in Malawi ankommen. Dies ist nur möglich, wenn alle Kosten in Deutschland privat getragen werden (Telefonkosten, Internetkosten, Homepage, Porto, Flyer, …). Dasselbe gilt für Reisen nach Malawi. Auch die werden aus eigener Tasche bezahlt. Georg Modlmair reiste 2007, 2008, 2009 und 2010 auf eigene Kosten nach Malawi.

Unsere malawischen Freunde sind auf Partner in der reichen Welt angewiesen. Dieser Aufgabe haben wir uns mit der Gründung von FMW gestellt. Laut unserer Satzung lassen wir auch geeignete Leute ausbilden, damit sie als Führungskräfte eingesetzt werden können, denn auch in der Demokratie braucht man qualifiziertes Führungspersonal. Bis zum Jahr 2010 war HfM unser Hauptprojekt. Von diesem Projekt sind mehr als 1000 Menschen direkt betroffen und indirekt eine ganze Region mit etwa 20 000 Menschen.

2. Ausgangslage - Situation in Malawi

Die afrikanischen Länder südlich der Sahara haben viele Probleme. Das größte Problem dürften aber die vielen Waisenkinder aufgrund von HIV/Aids und Malaria sein. Die durchschnittliche Lebenserwartung in Malawi beträgt laut neuester Aussagen 32 ½ Jahre, Tendenz sinkend. In Deutschland beträgt die mittlere Lebenserwartung 78 Jahre, Tendenz steigend. Das kleine Land Malawi hat bei 14 Millionen Einwohnern etwa zwei Millionen Waisen. Da 90 % der Menschen auf dem Land oder im Busch leben, leben auch 90 % der Kinder im Busch. Die großen Spendenorganisationen sucht man im Busch vergebens und so ist die Situation der Waisen dort katastrophal.

Malawi war bis 1964 britische Kolonie. Von 1964 bis 1994 regierte Hastings Kamuzu Banda das Land autokratisch. Von 1994 bis 2004 war Bakili Muluzi auch nicht gerade ein demokratischer Präsident der Republik Malawi. Immer wieder wird das Land von Hungersnöten heimgesucht. Vor der großen Hungersnot 2002 verkaufte Malawi seine Maisvorräte. Das Geld ist nie aufgetaucht, aber Muluzi ist nach Gaddafi der zweitreichste Mann Afrikas. Hunderttausende verhungerten. Seit 2004 ist Bingu wa Mutharika Präsident. Nach seiner Wahl trat er aus der herrschenden Partei aus und hoffte so die nicht korrupten Politiker in seine neu gegründete Partei herüberzuziehen und so die Korruption zu bekämpfen. Dies gelang leider nicht. Jahre lang schwebte das Damoklesschwert der Amtsenthebung über dem Kopf des Präsidenten. Diese wurde nur deshalb nicht ausgeführt, weil die Geberländer dies nicht mitgemacht hätten und dem Staat das finanzielle Fundament entzogen worden wäre.

Die große Masse der Waisen-Kinder müssen von ihren Verwandten aufgenommen werden. Alle noch intakten Familien müssen Waisen aufnehmen, manche bis zu 10 Waisen. Niemand fragt danach, ob sie dazu in der Lage sind.