Brief vom 10.12.2009 Brief vom 9.2.2010 Brief vom 29.8.2010

Brief von Patrick Mhone vom 10.12.09

Mein liebster menschenfreundlicher Vater Georg,

wie geht es Dir zusammen mit Mutter Angelika? Wie geht es unserer größten Spenderin, Mutter Elisabeth, die auch die sorgende Mutter für uns KIOF Studenten, sowie auch die Patin für meine Brüder Duncan und Joseph ist? Wie geht es meinem Freund Wolfgang Ritter und allen Mitgliedern von FMW?

Vater, es tut mir leid, dass ich während der vergangenen Woche nicht mit Dir kommunizieren konnte. Wir waren sehr beschäftigt. In der Stadt Thika gab es eine große Ausstellung. Unser KIOF Direktor gab uns die Chance an dieser Ausstellung, an der Universitäten, Schulen und große Firmen vor Ort waren, teilzunehmen. Aaron und ich präsentierten KIOF. Wir überzeugten die Menschen von der Wichtigkeit und Bedeutung der organischen Landwirtschaft für Kenia und für die ganze Welt. Es war wirklich ein wunderbares Ereignis für uns. Jetzt warten wir darauf die Menschen in Malawi über organische Landwirtschaft aufzuklären und sie zu überzeugen.

Vater, Du hast uns gefragt, "Werden die Menschen in Malawi den Wechsel von der konventionellen zur organischen Landwirtschaft mitmachen, da doch die malawische Regierung die Landwirte mit subventioniertem Kunstdünger versorgt? Weiter hast Du zu bedenken gegeben, die Tatsache, dass organische Landwirtschaft arbeitsintensiv ist, überall bekannt ist?

Vater hier ist meine Antwort: Drei Viertel der Menschen waren bei der Ausstellung in KIOF an organischer Landwirtschaft interessiert. Das beweist, dass die Afrikaner an organischer Landwirtschaft interessiert sind! Was den Menschen fehlt ist die Kenntnis der organischen Landwirtschaft, denn es gibt keine Schulen in denen die Menschen diese Art der Landwirtschaft kennenlernen können.

Warum sollten wir nicht in der Lage sein die Malawier zu motivieren? Wir sind arm und wir haben einen großen Bedarf an Lebensmitteln. Im Norden von Malawi gibt es viel Farmland, das wegen des Mangels an Kunstdünger und chemischer Pestizide landwirtschaftlich nicht genutzt wird. Wir können uns die teuren Chemikalien einfach nicht leisten.

Habe Hoffnung in uns! Alles wird gut werden! Vater ich ermutige Dich, "Lass die Menschen sagen was sie wollen. Die Menschen sagen, dass Du Deine Zeit und Kraft verschwendest, aber morgen werden sich Deine Träume erfüllen. Einer der Gründe, weil Menschen Dich von Deinen Zielen abzubringen suchen liegt darin, dass es ihnen einfach nicht gefällt, dass der Name "George" eine wichtige Rolle in der Entwicklung Malawis spielen wird. Habe bitte Hoffnung! Sage allen Mitgliedern und Spendern von FMW, ganz besonders aber Mother Elisabeth, dass Patrick und Aaron die Hoffnung haben, ihre Malawier zu überzeugen. Wir überzeugten gestern die Kenianer, warum sollten wir in unserem Vaterland Malawi die Menschen nicht überzeugen können?

Deine Freunde sagen Dir auch, dass Du mit Deinem Engagement für organische Landwirtschaft Deine Zeit verschwendest, denn die organische Landwirtschaft ist sehr arbeitsintensiv. Bestätige ihnen, dass sie mit dieser Behauptung Recht haben, aber sage ihnen auch, dass wir von der Richtigkeit des Sprichwortes "Ohne Fleiß, kein Preis!" durchaus überzeugt sind. Ich jedenfalls liebe die organische Landwirtschaft.

Du hast auch damit argumentiert, dass die Malawier die organische Landwirtschaft nicht akzeptieren werden, weil der malawische Präsident im Lande subventionierten Kunstdünger verteilen lässt. Es ist wahr, dass es bei uns subventionierten Kunstdünger gibt, aber bei weitem nicht alle Landwirte bekommen diesen Kunstdünger. In unserem Dorf haben wir 200 Familien und 15 Witwen mit ihren Enkeln. Die durchschnittliche Kinderzahl pro Familie beträgt 5 bis 10 Kinder. Es gibt so viel junge Menschen, die nichts zu tun haben. Sie verheiraten sich und verschlimmern das Problem, das wir schon haben. Die Regierung verteilte 50 Gutscheine an die 215 Familien. Wie viele Menschen können in den Genuss von Coupons kommen?

Zurück zu meiner sehr großen Familie mit Großmüttern und Großvätern und 10 Kindern. Unsere Familie erhielt zwei Gutscheine und Aaron`s Familie mit 16 Menschen erhielt ebenfalls nur 2 Coupons. Vater George, kannst Du dir vorstellen, was 2 Säcke Kunstdünger für 15 Hektar Land bedeuten? Kannst Du mit dieser Düngung genügend Lebensmittel produzieren? Für solch große Familien bräuchte man wenigstens 16 Säcke Kunstdünger. Mit diesen 16 Säcken sind wir noch weit von einer normalen konventionellen Landwirtschaft entfernt. Für ein Hektar bräuchte man 10 Säcke und für 15 Hektar somit 150 Säcke und wir wenden zwei Säcke an! Glaubst Du wirklich, dass wir mit zwei Säcken den Ertrag bekommen, um unsere großen Familien ernähren zu können? Für Euch sieht es so aus, als ob unsere Familien faul wären! Sie sind es ganz eindeutig nicht! Wir bauen viel Mais an aber ohne Anwendung von Dünger bekommen wir keine Erträge. Unsere Böden haben wegen unseres nicht vorhandenen Know How`s die Fruchtbarkeit verloren. Wir werden jedes Jahr Hunger haben und wir haben auch dieses Jahr nicht genug zu essen, aber die Regierung sagt es nicht laut, den sonst würden die Geberländer danach fragen was mit dem Geld geschehen ist. Anstatt die Wahrheit auszusprechen geben sie den Geberländern geschönte Berichte, so dass die Geberländer zufrieden sind. Aber wenn die Vertreter der Geberländer auf unsere Felder kämen, dann könnten sie mit eigenen Augen sehen, dass es wieder einen großen Hunger gibt.

Vater, Du siehst die Knappheit unseres subventionierten Kunstdüngers. Wegen der hohen Kosten von etwa 50 € können wir uns den nichtsubventionierten Kunstdünger nicht leisten. Glaubst Du wirklich, dass die Menschen es ablehnen können, uns mit der organischen Landwirtschaft abzulehnen? Der Hunger und die hohen Kosten für die konventionelle Landwirtschaft werden die Menschen dazu zwingen "organisch" zu gehen.

Vater, Du hast ebenso gesagt, dass die Menschen in Afrika sich endlich mehr vom ungeeigneten Mais verabschieden müssten und dafür mehr zu trockenresistenten Sorten wie Hirse und Kassawa und vor allem zu Gemüse wechseln müssten. Es ist waqhr, aber Mais ist nun einmal unser Grundnahrungsmittel. Es ist aber auch möglich organischen Mais anzubauen und Kompostdünger anzuwenden. Hier in KIOF haben wir organische Mais-Felder. Wir werden alles tun, um unsere Menschen von dem Reis wegzubringen und von Gemüsepflanzen zu überzeugen.

Zwei Dinge werden die Menschen in Malawi dazu zwingen unsere Gewohnheiten zu verändern:

  1. Der Klimawandel. Die Regenfälle in Malawi haben sich total verändert. Vor Jahren hatten wir im November starke Regenfälle aber diese Regenfälle blieben in den letzten Jahren aus. Mais und Tabak brauchen viel Wasser, um voll zu reifen und gute Erträge zu bekommen. Die Menschen in unseren Dörfern werden sich gegen das Pflanzen von Gemüse stemmen, aber wir als Organisation werden es tun und wir werden die Gemüse dann an Schulen und Krankenhäuser etc. verkaufen.

  2. Die geringeren Regenmengen werden uns dazu zwingen Sorten anzubauen, die kürzere Wachstumsperioden haben, z. B. grünes Gemüse, Kartoffeln, Bohnen, sowie auch trockenresistente Sorten wie Cassava und Hirse.

FMW ist eine sehr kleine Organisation und Vater George ist die einzige Person, die Tag und Nacht arbeitet. Die Frustrationen für Vater George sind einfach zu viel und zu groß: Lügen, Betrug und Korruption durch Malawier.

Vater George, lass Dich von diesen Rückschlägen nicht entmutigen, ich und Aaron wir werden alles tun und Malawi mit Deiner Unterstützung entwickeln.

Möge Gott Dich segnen.

Ich wünsche Dir ein gesegnetes Jahresende 2009

Dein junger Freund Patrick Mhone